Christmas Boxes

Leichter Nieselregen fällt, Nebel hängt in den Bergen und ab und zu sind Schneereste zu sehen. Wir fahren über verrostete Stahlbrücken, vorbei an braunen Wiesen mit Erdölpumpen oder reparaturbedürftigen Häusern. Auf der Eisenbahnstrecke neben uns ziehen zwei alte Loks eine lange Kolonne schwarzer, ölverschmierter Tankanhänger. Dahinter sehen wir im Gestrüpp drei größere Feuer – jemand verbrennt Müll. Insgesamt erscheint die Gegend grau, melancholisch; fast ein wenig bedrückend. Die Menschen sehen ärmer aus als im Nordwesten Rumäniens. Es ist die Gegend um Târgu Ocna. In dieser Stadt besuchen wir Daniel. Daniel ist fröhlich, optimistisch, energiegeladen – ganz im Gegensatz zur Landschaft und dem Wetter. Er ist Leiter einer kleinen freien Gemeinde. Ob es eine Pfingstgemeinde sei? Sicherlich, aber er lege keinen Wert auf die Gemeindeausrichtung. Deshalb hat er auch „Christliches Zentrum Târgu Ocna“ an die Tür geschrieben. Es geht um Jesus und nicht um die Gemeindeform. Im Gottesdienstraum sehen wir auf der einen Seite vom Altar die rumänische Flagge, auf der Anderen die Israelische. Hier laden wir einen größeren Teil unserer Weihnachtsgeschenke und Lebensmittel aus dem Transporter ab. Daniel zeigt uns anschließend noch einen Nebenraum, welcher gerade renoviert wird. Die Wände sind bereits erneuert und es riecht nach Farbe. Hier soll später die Sonntagsschule stattfinden und, während der Woche, ein After-School-Programm für die Kinder aus der Schule gleich nebenan. Das alles macht Daniel und ein paar wenige andere Leute ehrenamtlich, neben Familie und Arbeit. Daniels Frau arbeitet außerdem gerade im Ausland, um Geld für eine Zahn-OP zu sparen. Anschließend beten wir zusammen. Wir beten für Daniel und er für uns. Sein Gebet ist rumänisch und außer dem vielen „Danke“ verstehen wir nicht viel. Trotzdem ist es eines der kraftvollsten Gebete seit langem, wie Jesus greifbar daneben. Bevor wir wieder losfahren erinnert er uns noch einmal: „I need prayer“. Danach fahren wir wieder zurück, die nebelverhangenen Berge der Karpaten hinauf.

Erika aus Vlahita hat uns zum Deutschunterricht in eine achte Klasse eingeladen. Die Schüler löchern uns mit Fragen über unsere Hobbys, wie es in Deutschland so ist, und natürlich erzählen wir auch von unseren Weihnachtstraditionen. Viele von ihnen sind Roma, welche vor allem in die Schule kommen, weil es dort warm ist und sie Verpflegung erhalten. Dann, am Ende der Stunde, gibt es tatsächlich noch Weihnachtsgeschenke für die Schüler: wir haben Hoodies mit, welche uns von Good Natured gespendet wurden. Alle freuen sich darüber, eine der Schülerinnen muss weinen.

Danke für alle Unterstützung in den letzten Wochen, für alle Finanzen und Gebete.

Erneut Lehrling

Anfang Oktober 2017. Meine Frau Dorit und ich besuchen gerade ein Ehewochenende in der Begegnungsstätte „Ruth“ in Tauscha.
Während dieses Wochenendes fragen uns Matthias und Judith plötzlich, ob wir uns nicht vorstellen könnten, hauptberuflich in den OscH e.V. einzusteigen.
Mit so einer Frage haben wir nicht gerechnet. Damals arbeitete ich in einer kleinen Maschinenbaufirma. Die Arbeit war anstrengend, aber sehr interessant, international und die Firma wuchs. Trotzdem hatte ich ca. zwei Wochen zuvor in meinem Gebetstagebuch die Frage notiert, ob die Arbeit noch die richtige sei. Irgendwie mochte ich die kleinere Firmengröße mit weniger festen Strukturen und mehr Spielraum – was sich aber jetzt hin zu einer größeren Firma veränderte. Dorit wiederum offenbarte mir, dass sie schon eine Weile dafür betete, ob sie vielleicht in der Begegnungsstätte „Ruth“ mitarbeiten könne. Diese beiden Fragen und noch andere Dinge fügten sich wie Puzzleteilchen zusammen und so entschieden wir uns für den OscH e.V. Im Oktober 2018 tauschte ich dann den Beratungsraum und die Montagehalle gegen die Tauschaer Begegnungsstätte, Angebot und Pflichtenheft gegen Rüstzeitflyer und Teilnehmerbrief, Industrieprojekte gegen Kindertreff und Rüstzeiten.

Oft höre ich die Frage, was ich eigentlich den ganzen Tag in der Begegnungsstätte „Ruth“ mache. Kurz gefasst: Die Arbeit ist sehr vielfältig. Während meines ersten Jahres in Tauscha habe ich an fünf verschiedenen Rüstzeiten mitgearbeitet bzw. diese zum Teil selbst organisiert. Daneben finden regelmäßig der Kindertreff sowie die Jüngerschaftsschule statt und zwischendurch muss immer wieder ein LKW mit Hilfsgütern für Osteuropa beladen werden. Zweimal konnte ich bei einer Besuchsreise dorthin dabei sein. Außer diesen Aufgaben muss auch manchmal an der Begegnungsstätte gebaut oder die Webseite des OscH e.V. gepflegt werden. Die Herausforderung besteht tatsächlich darin, nachmittags den Absprung zu schaffen und sich nicht in den Dingen, die auch noch gemacht werden könnten, zu verlieren.

Wie fühlt sich dieser „Jobwechsel“ für uns an? An einem freien Tag in den vergangenen Monaten wachte ich früh auf und wollte eigentlich nach Tauscha zur Arbeit fahren. Dann stellte ich etwas enttäuscht fest, dass doch Feiertag ist und ich gar nicht auf Arbeit gehen brauche. So ein Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr. Trotzdem ist die Arbeit in der Begegnungsstätte auch herausfordernd. Der Wochenrhythmus ist ein anderer als vorher und allein schon das macht eine höhere Disziplin beim Zeitmanagement notwendig. Natürlich sind die Aufgaben jetzt andere als zuvor in der Maschinenbaufirma. Die in meinen knapp zwölf Jahren gesammelte technische Erfahrung tauschte ich ein und wurde stattdessen wieder neu zum Lehrling. In all dem konnten aber meine Frau und ich sehr oft Gottes Gnade und Hilfe erfahren. Er hat uns die Entscheidung, beim OscH e.V. einzusteigen, leicht gemacht. Er hat so zu uns gesprochen, wie wir es verstehen und nachvollziehen konnten. Er hat Gelingen geschenkt bei den Rüstzeiten und Veranstaltungen, bei denen wir dabei waren. Und wir konnten viel deutlicher als zuvor seine Versorgung erleben.

Besuchsfahrt nach Moldawien


Im Oktober waren unsere Mitarbeiter Johannes und Maria Steinmüller zusammen mit Gerd Reißig aus Mecklenburg wieder in einer der entlegensten Ecken Europas unterwegs. Nach Moldawien verirren sich kaum Touristen aus dem Westen, geschweige denn in das davon abgespaltene Transnistrien.
Ilja und Ljuba Altmann sowie die Orte Bălţi, Tiraspol und Bender sind für viele, die unsere Arbeit kennen, sicherlich vertraute Namen. Zusammen mit Ilja fuhren unsere Leute zu diesen Stationen. Sie besuchten drei der dortigen jüdisch-messianischen Gemeinden, nahmen Anteil am Ergehen der Menschen und am Gemeindeleben. Auch dank Ihrer Spenden können wir die Menschen finanziell sowie mit Lebensmitteln unterstützen, die wir z. T. vor Ort kaufen. So auch diesmal.
Das Rentenniveau und die Lebensmittelpreise in diesen Ländern stehen in keinem Verhältnis. So kann man verstehen, wie sehr die Menschen auf jede Unterstützung angewiesen sind.
Die Dankbarkeit und Wertschätzung der Beschenkten ist sehr anrührend. Als Johannes und Gerd einmal nach einem messianischen Gottesdienst draußen warteten, kamen Frauen aus dem Gemeindehaus auf sie zu und bedankten sich auf Russisch/ Jiddisch/ Deutsch bei ihnen. Eine der Frauen sagte zu Johannes: „Isch liebe disch.“

Wir sind dankbar, auf diese, wenn auch auf unvollkommene Weise, für das jüdische Volk ein Segen sein zu können.
Unser Quartier in Moldawien ist eine Caritas-Station in der Kleinstadt Stauceni bei Kishinjew. Wir freuen uns, dass wir bei diesem Besuch dem katholischen Priester für den Kindergarten seiner Gemeinde eine dringend benötigte Spende übergeben konnten. Wie es mit diesen Besuchsfahrten angesichts des hohen Alters und des Gesundheitszustandes von Ilja und Ljuba Altmann weitergeht, wissen wir nicht.
Bitte betet weiter für sie und für die Menschen in Moldawien und Transnistrien!

Kindertreff Tauscha im Oktober

„Wisst ihr denn, wer Witwen und Waisen sind?“ „Ja, Witwen sind arme Menschen und Waisen sind kluge Leute.“ 🙂

Dies ist ein Ausschnitt vom Kindertreff am vergangenen Wochenende. Wir hatten eine geniale Zeit mit den Kindern und haben ihnen natürlich dann erklärt, was die Bibel mit „Witwen und Waisen“ meint und dass es Gott cool findet, wenn wir uns um sie und andere Bedürftige kümmern und abgeben von dem, was wir haben. Die Zeit war wie immer gefüllt mit Liedern, Geschichten, Wettspielen und leckerem Essen. Allerdings haben wir dieses Mal etwas sehr praktisches mit den Kindern gemacht: wir packten mit ihnen Weihnachtspäckchen für Rumänien. Ihr hättet dabei sein sollen, um zu sehen, mit wieviel Freude und Begeisterung sie das gemacht haben! Das ist mit Worten nicht zu beschreiben. Die Atmosphäre in dem Raum (wo sonst die Hilfsgüter gelagert werden und der eher trist und grau ist) war erfüllt von fröhlichem Geschnatter der eifrigen Kinder, die voll Freude Päckchen packten. Ein bisschen erinnerte mich das alles an Weihnachten. Parallel dazu bastelten andere wunderschöne Weihnachtskarten mit rumänischem Weihnachtsgruß, die dann in die Päckchen mit hineingelegt wurden.

„Das ist so ein schönes Päckchen! Also ich würde mich sehr darüber freuen!“
„Das macht Spaß! Können wir gleich noch ein zweites packen?“
„Schade, dass wir jetzt aufhören müssen. Das macht so viel Spaß!“

Möge sich das tief in den Kinderherzen verankern, dass es nie ein Verlust ist, etwas abzugeben und jemand etwas zu schenken. Mir kam der alte Posiespruch in den Sinn:
„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück,
denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück.“

Und klar ist: Gott hat Freude daran, wenn wir geben! „Denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“  2. Kor 9,7
(JM)

Hilfseinsatz in der Ukraine

Im September war unser Mitarbeiter Uwe Fleischer wieder mit einem Team in der Ostukraine unterwegs. Unser Team unterstützt dort gemeinsam mit Ebenezer Hilfsfonds Deutschland e.V. arme jüdische Menschen, z.B. mit Baueinsätzen und Sachspenden
(MG)

850 kg

850 kg haltbare Lebensmittel haben wir in den letzten Tagen von verschiedenen Gemeinden vom Erntedankfest bekommen. Wir freuen uns total über diese Menge. Jetzt packen wir daraus Pakete für Familien, die bis zum Advent in der Ukraine, in Moldawien und in Rumänien verteilt werden.
Unser Anliegen ist es, Menschen eine kleine Freude zu machen und sie an die Liebe Gottes zu erinnern und mit der guten Nachricht von Jesus zu erreichen.

Neue Mitarbeiterin

Seit dem 01. September ist Birgit Pohl fest bei uns angestellt. Sie hat in der Begegnungsstätte Schmiede, Bautzen, eineinhalb Jahre lang als Bufdi gearbeitet. Mit ihrer kreativen Ader passt sie sehr gut ins Schmiede- Team. Darüber hinaus arbeitet sie bei unseren Kinderrüstzeiten mit.
Wie bei allen unseren Mitarbeitern wird auch ihr Gehalt über Spenden finanziert. Birgit ist dabei, einen Spenderkreis aufzubauen. Wir laden ein, sie finanziell mit zu unterstützen.