Erneut Lehrling

Erneut Lehrling

Anfang Oktober 2017. Meine Frau Dorit und ich besuchen gerade ein Ehewochenende in der Begegnungsstätte „Ruth“ in Tauscha.
Während dieses Wochenendes fragen uns Matthias und Judith plötzlich, ob wir uns nicht vorstellen könnten, hauptberuflich in den OscH e.V. einzusteigen.
Mit so einer Frage haben wir nicht gerechnet. Damals arbeitete ich in einer kleinen Maschinenbaufirma. Die Arbeit war anstrengend, aber sehr interessant, international und die Firma wuchs. Trotzdem hatte ich ca. zwei Wochen zuvor in meinem Gebetstagebuch die Frage notiert, ob die Arbeit noch die richtige sei. Irgendwie mochte ich die kleinere Firmengröße mit weniger festen Strukturen und mehr Spielraum – was sich aber jetzt hin zu einer größeren Firma veränderte. Dorit wiederum offenbarte mir, dass sie schon eine Weile dafür betete, ob sie vielleicht in der Begegnungsstätte „Ruth“ mitarbeiten könne. Diese beiden Fragen und noch andere Dinge fügten sich wie Puzzleteilchen zusammen und so entschieden wir uns für den OscH e.V. Im Oktober 2018 tauschte ich dann den Beratungsraum und die Montagehalle gegen die Tauschaer Begegnungsstätte, Angebot und Pflichtenheft gegen Rüstzeitflyer und Teilnehmerbrief, Industrieprojekte gegen Kindertreff und Rüstzeiten.

Oft höre ich die Frage, was ich eigentlich den ganzen Tag in der Begegnungsstätte „Ruth“ mache. Kurz gefasst: Die Arbeit ist sehr vielfältig. Während meines ersten Jahres in Tauscha habe ich an fünf verschiedenen Rüstzeiten mitgearbeitet bzw. diese zum Teil selbst organisiert. Daneben finden regelmäßig der Kindertreff sowie die Jüngerschaftsschule statt und zwischendurch muss immer wieder ein LKW mit Hilfsgütern für Osteuropa beladen werden. Zweimal konnte ich bei einer Besuchsreise dorthin dabei sein. Außer diesen Aufgaben muss auch manchmal an der Begegnungsstätte gebaut oder die Webseite des OscH e.V. gepflegt werden. Die Herausforderung besteht tatsächlich darin, nachmittags den Absprung zu schaffen und sich nicht in den Dingen, die auch noch gemacht werden könnten, zu verlieren.

Wie fühlt sich dieser „Jobwechsel“ für uns an? An einem freien Tag in den vergangenen Monaten wachte ich früh auf und wollte eigentlich nach Tauscha zur Arbeit fahren. Dann stellte ich etwas enttäuscht fest, dass doch Feiertag ist und ich gar nicht auf Arbeit gehen brauche. So ein Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr. Trotzdem ist die Arbeit in der Begegnungsstätte auch herausfordernd. Der Wochenrhythmus ist ein anderer als vorher und allein schon das macht eine höhere Disziplin beim Zeitmanagement notwendig. Natürlich sind die Aufgaben jetzt andere als zuvor in der Maschinenbaufirma. Die in meinen knapp zwölf Jahren gesammelte technische Erfahrung tauschte ich ein und wurde stattdessen wieder neu zum Lehrling. In all dem konnten aber meine Frau und ich sehr oft Gottes Gnade und Hilfe erfahren. Er hat uns die Entscheidung, beim OscH e.V. einzusteigen, leicht gemacht. Er hat so zu uns gesprochen, wie wir es verstehen und nachvollziehen konnten. Er hat Gelingen geschenkt bei den Rüstzeiten und Veranstaltungen, bei denen wir dabei waren. Und wir konnten viel deutlicher als zuvor seine Versorgung erleben.

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