Rumänien im Dezember 2018

Rumänien im Dezember 2018

Mit unserem Transporter voll mit Hilfsgütern und Weihnachtspäckchen verlassen Matthias und ich in Ungarn den Schengenraum. Ein richtiger Grenzübergang mit Beamten und Kontrollen. Hoffentlich kommen wir gut durch. Der Beamte nimmt unsere Ausweise entgegen, wirft uns einen prüfenden Blick zu – und winkt uns durch! Dann wird die Welt ein klein wenig anders, etwas ärmlicher, chaotischer, aber auch etwas herzlicher. Die Häuser in den Dörfern sind klein, bunt und eng aneinandergereiht. Manchmal sieht man einen Brunnen mit Eimer und Kurbel vorm Haus, offensichtlich gerade benutzt. Vor den Häusern verlaufen abenteuerlich aussehende Stromleitungen. Zwischen den Siedlungen liegt weitläufiges Brachland, hin und wieder bevölkert von einer Schafherde mit Hirten. Aber auch in der größten Einöde zeigen unsere Handys LTE-Empfang. Wir fahren quer durchs Land nach Moşna, einem Nachbarort von Mediaş, wo wir Claudiu und Bianca besuchen. Die beiden nehmen Kinder auf, die z. b. gleich nach ihrer Geburt im Krankenhaus zurückgelassen worden sind. Aktuell wohnen bei ihnen sieben Kinder. Claudiu und Bianca sind voller Freude und Energie. Sie kümmern sich nicht nur um ihre aufgenommenen Kinder, sondern unterstützen auch Leute in ihrer Umgebung, u. a. Roma-Familien. Wir lassen einige Hilfsgüter bei ihnen.

Dann durchqueren wir Siebenbürgen in Richtung Osten und erreichen den ungarisch bevölkerten Landkreis Harghita. Unser Ziel: das Harghita Christian Camp in der nähe von Vlăhiţa. in den Karpaten liegt eine geschlossene Schneedecke; wir sehen Kinder den Skihang hinabsausen. Im Camp besucht uns ein Pastor einer Pfingstgemeinde nahe der moldawischen Grenze. Er kümmert sich auch um Roma-Familien. Da wir noch nicht alle unsere Weihnachtspäckchen verplant haben, geben wir ihm einige zum Verteilen mit. einen der Höhepunkte unserer Reise erleben wir am folgenden Tag. im Kulturhaus von Vlăhiţa versammelt sich am Vormittag die komplette örtliche Grundschule. Zuerst führen junge einheimische Christen ein Handpuppenspiel für die Grundschulkinder auf. es geht um die Weihnachtsgeschichte. Anschließend spielt der Flötenkreis der Grundschule und es gibt noch einen Tanz: „Rudolph, the Red Nosed Reindeer“ auf Ungarisch. Dann verteilen wir 340 Weihnachtspäckchen an die Kinder.

An unserem letzten tag in Rumänien besuchen wir Joachim und Christiane Lorenz, ein Thüringer Pfarrerehepaar, das seit über 25 Jahren in Rumänien lebt und in Siebenbürgen evangelische Kirchgemeinden betreut. Wir schauen auch bei Ilse Totea vorbei, einer Siebenbürger Sächsin, die Roma-Familien unterstützt. Wir übernachten bei Thomas und Rosina Depner (85 und 78 J.). schon während des Kommunismus gaben sie an bedürftige Landsleute Kleidung und Lebensmittel weiter, aber auch geschmuggelte Bibeln. Wir laden Weihnachtspäckchen und andere Dinge bei ihnen ab. sie wollen daraus Geschenke für das örtliche Altersheim zusammenstellen – nicht nur für die alten Leute, sondern auch für die Pfleger. beim Abendessen ruft ein Pfarrer aus dem Donaudelta bei Thomas und Rosina an. er kommt in den nächsten Tagen, um Hilfsgüter für seine Gemeinde abzuholen.

Mir geht noch ein Satz von András nach, einem unserer Kontaktleute in Oradea:„nach der Wende kamen viele Hilfsorganisationen. Die meisten von ihnen sind nach zehn Jahren wieder gegangen, obwohl es in Rumänien immer noch große Probleme gibt. Ihr seid geblieben. (Martin Gube)

Matthias Mühlbauer